Einiges aus Granny's Leben


Da Granny vier stramme Jungs zu versorgen hatte, stand sie oft Tag und Nacht in der Kueche am Herd um fuer die hungrigen Jungs zu kochen. Es musste immer viel und vor allen Dingen billig sein. Es war ja nie viel Geld vorhanden damals.


Als wir im September 1986 nach Amerika kamen, wohnten wir bei meiner Schwiegermutter fuer fast 5 Monate. Ich habe in dieser Zeit sehr viel von ihr gelernt. Hauptsaechlich wie man
Soulfood kocht. Granny hat mich oft in den Kochtopf schauen lassen.Normalerweise durfte das sonst niemand. Zu mir hat sie einmal gesagt:


"Girl, the only way you're allowed to steal is with your eyes!"
(Die einzige Art auf die Stehlen erlaubt ist, ist mit den Augen).


Als wir noch bei der Granny wohnten, sind wir oft stundenlang mit unseren Kindern vor ihrem Haus gesessen. (R.B. war schon in Fort Hood und kam nur am Wochenende nach Ft. Worth) Dann sprach sie immer von der "Guten alten Zeit". Sie konnte wirklich sehr gut erzaehlen. Man fuehlte sich total zurueckversetzt in diese Zeit. Wir haben es immer aus vollem Herzen genossen, wenn wir die Stories von damals hoerten. Sie erzaehlte uns, dass sie frueher bei Leuten fuer einen Hungerlohn gekocht und gebuegelt hat. Der Lohn fuer den ganzen Tag war ein einziger Topf voll mit Bohnen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen!


Im Fruehjahr 1991 wurde Granny dann sehr krank. Die Aerzte teilten uns mit, dass sie eine "Open Heart Surgery" benoetigt. Sie hat sich zuerst dagegen gestraeubt, dann aber doch zugestimmt. Also kam die liebe Frau unters Messer. Als sie dann endlich wieder nach Hause durfte, habe ich sie gehegt und gepflegt, bis sie wieder einigermassen auf den Beinen war. Sie hatte das genossen wie ein kleines Kind, denn die arme Frau lebte ja alleine in ihrem Haus. Das war eine sehr schwere Zeit fuer mich. Meine groesste Sorge war, ob Granny wieder richtig gesund wird, dann aber auch noch die Sorge, ob zuhause alles laeuft, wie es laufen sollte und, und, und...


Gottseidank hat sich die Granny dann wieder ganz gut erholt.


In den darauffolgenden Jahren war dann gesundheitlich mit der Grannys oweit wieder alles in Ordnung. Sie kam dann auch oefters zu uns nach Killeen. Alles schien in bester Ordnung zu sein. Dann hat es 1995 geheissen, dass die Granny einen Herzschrittmacher braucht. Also wieder ins Krankenhaus. In der Zwischenzeit hatte ich eine Arbeitsstelle als Koechin in einem Deutschen Restaurant angenommen und ich konnte nicht einfach Urlaub machen. Daher haben dann andere Angehoerige der Familie die Granny versorgt. An meinen freien Tagen bin ich dann nach Ft. Worth und habe nach ihr gesehen.


1998 wurde die Granny immer kraenklicher. Die Krankenhausaufenthalte wurden immer mehr und laenger. Als sie wieder einmal zuhause war, ist sie sogar in den Glastisch vor der Couch gefallen. Da hatte sie nicht nur einen guten Schutzengel gehabt, sondern alle anderen Engel auch noch, die zu erreichen waren. Sie hatte nicht mal einen einzigen Kratzer abbekommen. Daraufhin konnte sie einfach nicht mehr alleine gelassen werden. Sie vergass auch z.B. sehr oft, dass das Essen auf dem Herd kochte, oder sie nahm ihre Medizin nicht zum richtigen Zeitpunkt und vieles, vieles mehr. Wir mussten dann Granny schweren Herzens in ein Altersheim bringen.


Es hat mir sehr sehr weh getan, als ich mit ansehen musste, wie die Granny so langsam aber sicher nicht mehr wusste, was um sie herum geschah. Die Aerzte hatten uns dann auch verstaendlich gemacht, dass die Granny ALZHEIMER haette. Sie wusste zum Schluss nicht einmal mehr, dass sie in einem Altersheim war. Oft hat sie zu uns gesagt: 
"Geht in die Kueche, auf dem Herd steht das Essen. Ihr braucht es nur noch einmal aufwaermen." Wir haben dann das Zimmer fuer ein paar Minuten verlassen. Dann kamen wir wieder zurueck und erklaerten ihr, dass das Essen wunderbar war. Daraufhin war die Granny wieder gluecklich und somit auch wir.


Ich hatte in der Zwischenzeit meine Arbeitsstelle gewechselt und arbeitete nun in Harker Heights in einem Altersheim als Koechin. Wir hatten auch Alzheimer Patienten zu betreuen. Dort hatten wir dann monatliche Meetings, wie man am besten mit Alzheimer Patienten umgehen sollte. Das hat mir dann doch sehr geholfen. Man hat ja keine Ahnung, wie man am besten reagieren soll. Man ist ja so hilflos, wenn man nicht weiss, wie man mit bestimmten Situationen fertig wird. Es war sehr schlimm fuer die ganze Familie, die Granny so hilflos zu sehen. Sie wollte dann auch nicht mehr essen oder trinken. Sie hatte einfach ihren Lebenswillen augegeben. Es kam dann soweit, dass die Granny kuenstlich ernaehrt werden musste.

Am 6. August 1999 hat unsere geliebte Granny dann endlich ihren verdienten Seelenfrieden gefunden. Jetzt ist sie endlich in einer zufriedenen und heilen Welt.
 
  In Memory for our Mother and Grandmother
A great great Women. Granny we miss you

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