| Die Roessle's Wirtin von Calmbach |
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Es war im letzten Sommer, Leute, In Calmbach an der Enz, Es schnattern, was ich berichte heute, Landauf landab schon die Gäns: Ein Dorf in großen Nöten, Viel Kriegsgeschrei und Krach, Da ging so manchem Mann der Mut flöten, Im Sommer in Calmbach. Die großen Fürsten streiten seit Jahren Ums schöne Pfälzer Land; Der Grund ist den kriegerischen Scharen Zumeist gänzlich unbekannt. Da Sachsen dort Franzosen, Mit Kriegsgerät gar schwer, Die Farben ihrer bunten Hosen Erkennt man vor Dreck nicht mehr. Den Franzenmännern war Gut und Leben Kein einz‘gen Heller wert, Man hat ihnen gerne das Letzte gegeben, So mancher gar Weib und Pferd. Den Lichtentaler Nonnen, Aus der badischen Markgrafschaft, Den wäre bald ihr Nonn‘sein zerronnen Von wilder Franzosenkraft. Die Franzmänner sind durch den Schwarzwald gezogen Von der Murg über‘n Kaltenbronn, Da machten sich, es ist nicht gelogen, Zehntausend vor ihnen davon. Die Nonnen, ein gutes Dutzend, Die trieben sie vor sich her, Die steilsten Wege und Stege benutzend, Kam Hilfe in der Schwer‘. Die Nonnen kamen mit frommen Gebeten Nach Calmbach in der Nacht; Da hat sie die Lutzin aus ihren Nöten In Sicherheit gebracht. Aus ihrem großen Jammer Befreit sie die frommen Frau’n, Versteckt in einer kleinen Kammer Tat sie stets nach ihnen schaun. Mit Donnern und Schreien kommen Husaren Auf Calmbach angerannt, Von unermeßlich grausigen Scharen War‘n Haus und Hof verbrannt, In Dörfern und in Städten, auf ihrem weiten Marsch, Und wenn die Calmbacher die Lutzin nicht hätten, Dann wär’n sie auch im Arsch. Doch laßt mich zuvor erst noch berichten Ich will in Versen weiter dichten Was man in Calmbach sah: Die Calmbacher rennen alle In die Wälder ringsumher, Damit im allerschlimmsten Falle Das Leben gerettet wär. Der Müller von der Gemeindekasse, Der rennt am schnellsten fort. Der Diefenbacher mit seiner Klasse Macht Wettlauf wie im Sport. Und selbst der Schultheiß Kiefer Verschwindet vor Angst im Tann; Rennt weiter, immer tiefer und tiefer, Dass niemand ihn finden kann. Man hört im Wald nur Zähneklappern Vor Angst und auch vor Zorn, Der Lehrer verbietet den Schülern das Plappern, Im Dorf hört man Trommel und Horn; Franzosen besetzen die Straßen, Sie halten am Marktplatz Appell, Man soll alles auf den Kopf stellen lassen, Vite vite, en suite, auf der Stell. Die Calmbacher fürchten sich vor den Franzosen Und bibbern die ganze Nacht; Da hat manch einer die sauberen Hosen Inwendig dreckig gemacht. Am Morgen in der Frühe Die Rössleswirtin spricht: "Und hält es mancher auch für Mühe, Ich halt es für unsre Pflicht!" "Der Schultheiß muss die Franzosen fragen Was wir für sie machen soll‘n, Sonst geht’s uns allen an den Kragen, Und wie viel von uns sie woll’n." Der Schultheiß fürcht‘ sich sehre Und ruft "Schockschwere Not! Wenn ich jetzt wieder ins Dorf umkehre Ereilt mich sichrer Tod!" Da ist die Lutzin selber gegangen Zum Husarenkommandant, der hat zu scherzen angefangen, |
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Und war zu ihr galant. Er lacht sie an und sagte, "Madame sind sehr charmant," als sie ihn nach der Summe fragte: "Eh bien, zwanzigtausend Francs!" Die Lutzin bespricht sogleich die Lage, Als sie zurückgekehrt. Sie sagt, was zu tun ist, sei keine Frage, Alles andere wäre verkehrt. Doch mancher meint, er schmeiße Sein Geld nicht in den Schmutz. Es komme, so spricht der Lehrer weise, Gemeinnutz vor Eigennutz! Die Rössleswirtin sammelt bei allen, Man denkt, was der Lehrer gelehrt; Das hat den meisten zwar nicht gefallen, Doch Calmbach war’s ihnen wert. Die Francs und auch die Taler, Klirr’n in der Lutzin Schurz, Verschmitzt spendiert ein alter Kahler Dazu einen kräftigen Furz. Die Lutzin bekam das Geld zusammen, In weniger als einem Tag. So schützte sie die Häuser vor Flammen Und vor Kanonenschlag. Die Armen und die Reichen, Ein jeder gab dazu, Denn keiner wollte vor Scham erbleichen, Der Nachbar schaute ja zu. Und in des nächsten Abends Kühle Lud sie den General Aus dem Quartier in der Sägemühle In ihren Wirtshaussaal, Der kam mit viel Soldaten Tam Tam und auch Trara; Am Hoftor wollt ihn die Wirtin erwarten, Der Schultheß war auch da. Der Tapponier, so hieß der Franzose, War schneidig und galant, Er sah die Lutzin an und die große Schürze, in der sie stand. Sie zählt ihm auf den Wirtstisch Das viele gute Geld Der General dachte bei sich: ‘Man irrt sich In mancher Madame der Welt!‘ Laut spricht er zu der Rössleswirtin: "Ihr seid eine tolle Frau!"; Und deren zartes Erröten verwirrt ihn Ich weiß das ganz genau, Der alte Schwerenöter Verliebt sich auf der Stell, - Man sieht‘s, die Wangen färben sich röter - In diese deutsche Mamsell. Man gab zum allgemeinen Vergnügen Ein brausendes Freudenfest. Der Kampf an Bechern, Flaschen und Krügen Gab manchem Bursch den Rest. Die Feinde: die Franzosen Die lud man dazu ein; Die wichsten und putzten die Stiefel und Hosen Und machten zum Fest sich fein. Ja auch die zarten geistlichen Damen Vom Kloster Lichtental, Die auf der Flucht nach Calmbach kamen, Sie lobten Gott mit Schall. Man sah sogar Nonnen tanzen, In ihrem weißen Kleid, Und manche ging mit ‘nem Franzosen schwanzen, Das tat ihr hernach noch leid. Und selbst die unterlegenen Sachsen Die rüsteten zum Kampf; Beim Saufen war ihnen keiner gewachsen Die hatten den größten Dampf. Und alle loben die Lutzin Weit über den grünen Klee, Die ohne jeden Eigennutzen, Ersparte Leid und Weh. Das ist der Ausgang der Geschichte, Wo Mut noch etwas gilt, Die ich euch heute hier berichte, Und die in Calmbach spielt: Der Rössleswirtin Taten Sind Lehr für Weib und Mann, Ja dass man sich immer, das wird man erwarten, Auf jeden verlassen kann. |
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